Mehr als Pflicht: Wie Nachhaltigkeitsberichterstattung zum Hebel für Finanzierungsgespräche wird
Mit dem Omnibus-Verfahren der EU wurden viele formale Berichtspflichten zurückgefahren. Für zahlreiche Unternehmen stellt sich die Frage damit neu: Lohnt sich freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung überhaupt noch?
Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung („Mehr als Reporting“, 2025) gibt darauf eine Antwort: Der eigentliche Wert liegt im internen Transformationsprozess, den die Berichterstattung auslöst – nicht im fertigen Bericht selbst.
Dieser Prozess-These stelle ich eine Chancen-These gegenüber, die ich beim Thementisch der DNK-Roadshow Frankfurt Wiesbaden eingebracht habe: Banken sind inzwischen selbst regulatorisch verpflichtet, ESG-Risiken systematisch in ihre Risikosteuerung und Kreditprozesse zu integrieren. Damit entsteht für Unternehmen eine zweite, oft ungenutzte Chance – den ohnehin geleisteten Transformationsprozess und Bericht aktiv in die Sprache der Banken zu übersetzen: in konkrete, standardisierte Kennzahlen wie CO₂-Intensität, Energieeffizienzklasse oder Taxonomiefähigkeit. So wird aus dem Bericht ein Hebel für bessere Finanzierungsgespräche, statt dass er ungenutzt liegen bleibt.
In der Praxis zeigt sich dabei oft eine weitere, weniger offensichtliche Hürde: Die Übersetzung scheitert nicht nur an fehlender Information gegenüber der Bank, sondern häufig schon innerbetrieblich – zwischen Nachhaltigkeitsabteilung und Finanzierungsseite. Wer für das Reporting zuständig ist, hat nicht immer Einblick in Bankgespräche; wer die Bankgespräche führt, weiß nicht immer, was im Reporting bereits an verwertbaren Kennzahlen vorliegt. Genau an dieser Schnittstelle – zwischen Nachhaltigkeit, Regulierung und Kapital – setzt strategische Beratung an.
Diese Fragen habe ich am 3. September 2026 beim Thementisch der DNK-Roadshow Frankfurt Wiesbaden gemeinsam mit dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) und der Bertelsmann Stiftung vertieft: „Mehr als Berichtspflicht – Welchen Mehrwert schafft Nachhaltigkeitsreporting?“ Ein Teilnehmer berichtete, dass sein Unternehmen plant, die Ergebnisse des Nachhaltigkeitsberichts künftig stärker in das Risikomanagement zu überführen – zugleich wurde deutlich, dass die Übersetzung der Kennzahlen in konkrete Steuerungsimpulse in der Praxis noch eine Herausforderung darstellt. In einem anderen Gespräch entstand die Idee, die durch das Reporting gewonnene Transparenz stärker mit der Produktentwicklung zu teilen.
Wer diesen Übersetzungsschritt – vom Reporting zur bankfähigen Kennzahl – konkret angehen möchte: Gemeinsam mit Danielle Budde von BBR Associates GmbH haben wir dafür das Tool ESG-Finanz© entwickelt.
Bildquelle: DNK-Roadshow Frankfurt Wiesbaden / IHK Wiesbaden